Buchbesprechungen 

"Für Sie gelesen...." ist eine Überschrift unter der Mitarbeiter der Infobriefe des ESW Ihnen in kurzen und anregenden Besprechungen Bücher für Ihre eigene Lektüre empfehlen.

Ein Schmunzelbuch aus Absurdistan 
Augenzwinkernd und geschliffen, frech und feinsinnig, führt uns der bekannte freikirchliche Pastor und Rundfunkjournalist Andreas Malessa durch das Kirchenjahr. Da geht es unter anderem um das Wichteln am Valentinstag, Heilfasten vor Ostern und nicht zuletzt um die unerschöpfliche Katastrophenkomik der Vorweihnachtszeit ab Mitte September. Das Schmunzeln erstarrt bei der Frage des Rezensenten, was aus unseren christlichen Festen geworden ist. 
Andreas Malessa. Von Reklamationstag bis Frohenleichnam. Kalendersatiren. Gebunden, 144 Seiten. 12,95 Euro. Gütersloher Verlagshaus
aus ESW-Infobrief 3/2009

Von der verwandelnden Kraft eines Films
Salvatore, ein Zeitgenosse wie Du und ich, sieht einen Film. Das wäre nichts Besonderes, wenn es sich nicht um Pasolinis berühmten Jesus-Film handeln würde. Der Betrachter hat mal Theologie studiert, aber voll gestopft mit den Zweifeln seiner neunmalklugen modernen Professoren, den „Schrotthändlern des Glaubens“, dann alles über Bord geworfen. Und nun verschlägt es ihn an einem Himmelfahrtnachmittag ins friesische Leer, wo sein aus Kalabrien stammender, Gastarbeitender Vater gestrandet ist. Und dort „sieht“ Salvatore eine Geschichte, die auf dem Evangelium des Matthäus basiert. Salvatore ist religiös nicht ganz „unmusikalisch“ oder so abgestumpft, um die schwarz-weißen Bilder des Dichters und Filmkünstlers nicht wie einen vertrockneten Schwamm aufzusaugen. Er verlässt als ein anderer das kleine Kino, denn die Worte Jesu „Folge mir nach!“ haben ihn angesprochen. Der mit dem renommierten Büchner-Preis ausgezeichnete Autor erzählt mit literarischem Anspruch und Sprachkraft die Geschichte einer Sehnsucht. Seine Poetik des Glaubens ist ein bemerkenswertes Unikat in der Bücherflut der säkularen Verlage. 
Arnold Stadler. Salvatore. 224 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag, 17,90 Euro. S. Fischer
aus ESW-Infobrief 3/2009

Ein aktuelles Nachdenkbuch
Ein kluges Buch, das wie eine Provokation daher kommt, wenn der promovierte Volkswirt und Leiter einer agrarpolitischen Forschungsgruppe in der Schweiz sich zu der Behauptung versteigt und diese noch belegt, dass Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung sinnvoll nicht erreichbar und wünschenswert seien. Sie dienen weder der Zufriedenheit der Menschen noch dem gesamtgesellschaftlichen Wohlbefinden. Profiteure seinen vor allem die Wirtschaft mit ihren Statthaltern in der Politik. Starker Tobak, wenn der engagierte Quäker dann andere Konzepte ins Gespräch bringt. Er bezieht sich auf die moderne Glücksforschung, um Freundschaftsdienst statt Dienstleistung, Grundsicherung statt Pflicht zur Lohnarbeit, Solidarität statt Individualismus zu fordern. In der lesbaren und zur Diskussion anregenden Untersuchung geht es letztlich um die Fragen, wohin die Marktlogik führt und welche Aufgaben dem Staat zukommen. 
Stefan Mann. Markt, Glück und Staat. Wie Wirtschaft und Politik zu unserem Glück beitragen können. 13,5 x20,5 cm, 123 Seiten, 12,95 Euro. Brendow
aus ESW-Infobrief 3/2009
In den Wurzeln steckt das Leben
Das behauptet der Werbetext auf der Umschlagseite und trifft damit den Kern des Buches. In seiner bestechenden Einfachheit und klaren Sprache ist es in die Reihe der großen geistlichen Schriftsteller von Thomas von Kempen bis Richard Foster zu stellen. Der koreanische Autor ist Pastor in Los Angeles, kann aber seine asiatische Spiritualität nicht verleugnen, wenn er uns sozusagen an die Hand nimmt, um uns den Dreiklang zu lehren: Langsam zu gehen und dabei auf das Wirken Gottes in und um uns zu achten, bewusst zu gehen, indem wir geistliche Übungen als Gelegenheiten nutzen, um Christus ähnlicher zu werden und schließlich bedächtig zu gehen, um Gottes Gnade und Schau in unserem Alltag noch tiefer zu erfahren. Ein Buch, das man weniger lesen als leben sollte und das auf den Nachttisch gehört. 
Joshua Chummin Kang. Tief verwurzelt in Christus. Schritte zum Innehalten. 176 Seiten, gebunden, 13,5 x 21 cm, 14,90 Euro. Neufeld 
aus ESW-Infobrief 3/2009
Unverbindlicher Optimismus
Es hat etwas ungemein Befreiendes, an das Alter einmal entspannt und gelassen heran zu gehen, wie uns das Peter Gross und Karin Fagetti in ihrem bei Herder erschienenen, 191 Seiten starken Ratgeber „Glücksfall Alter“ vormachen: Mehr Platz, mehr Zeit, mehr Zuneigung, mehr Freiheit, mehr erlaubte Schwäche: Das alles bieten die schrumpfenden, postmodernen Gesellschaften ihren Alten. Vorbei das Gerede von der Defizitsituation. Die Alten dürfen noch einmal neu beginnen, zumindest umsteuern. Das deutsch-schweizerische Autorenpaar hält es dabei bewusst offen, wohin denn nun die Reise der sinn-suchenden Alten gehen soll: In den alles fest haltenden Jugendwahn gewiss nicht. Dafür nur zur gelassenen, los-lassenden Altersweisheit? Die Autoren möchten den Alten „neue Tätigkeitsfelder“ erschließen, aber jenseits von Ehrenamt und unbezahlter Freiwilligenarbeit, die die Alten mangels Bezahlung angeblich nicht wollen. Bloß: Welche neuen Betätigungen bleiben dann noch? Daneben werden im Anschluss an Pater Anselm Grün das Loslassen und der „geordnete Rückzug“ propagiert als Entsprechung der Endlichkeit und Begrenztheit des Lebens. Eine „offene Zukunft“ jenseits des Todes könne Ängste abbauen, der „souverän Sterbende“ möge sich in andere Sphären begeben. Bei allem Philosophischen und Transzendenten schildern die Autoren auch die Befreiung der altersdominanten Gesellschaften vom ökonomischen Druck der Jugendgesellschaften und die Produktivität der Roboterhilfen, die unseren Gesellschaften zugute kommen. 
Im Ergebnis wird ein optimistisches Alters-Buch vorgelegt. Seine Offenheit ist seine Stärke. Die Unverbindlichkeit aber auch seine Schwäche. Sicher sind Loslassen, Weiterbildung, Einsatz für andere und Sterben unter außerirdischen Horizonten die richtigen Fingerzeige. Aber sie erfolgen zu unverbindlich. 
Peter Gross/Karin Fagetti: Glücksall Alter. Alte Menschen sind gefährlich, weil sie keine Angst vor der Zukunft haben. 191 Seiten. Freiburg: Herder 2008. ISBN 978-3-451-29938-4. 14,95 Euro
aus ESW-Infobrief 3/2009
Dienst und Demut
Die Karriereleiter vom Messdiener über die Junge-Union-Leitung zum Parteivorsitz durchlief Angela Merkel nicht. Und kam doch an die Spitze der CDU. Wo bleibt da unter der evangelischen Pfarrerstochter aus der DDR das Christliche sichtbar? Das fragen viele vor allem aus dem die CDU lange dominierenden rheinischen Katholizismus. Der Hauptstadtkorrespondent der Bistumspresse Volker Resing versucht in seinem im Leipziger Benno-Verlag heraus gekommenen, 160seitigen Buch „Angela Merkel. Die Protestantin“ die Antwort zu geben. Das Religiöse trägt Angela Merkel nicht vollmundig auf der Zunge. Ihren Glauben „verzweckt“ sie nicht politisch, stellt Resing fest. Gleichwohl fließen aus Merkels christlichem Glauben Maximen: Ihrem Land in Demut zu dienen.
Fleiß, Disziplin und Prinzipientreue seien Mitgift ihres Vaters, des in ihrer Jugend in Templin/Uckermark in der brandenburgischen Pfarrerfortbildung tätigen Pastors Horst Kasner, der einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ wollte. Die oft pragmatisch zu lösenden Konflikte der jungen Christin Angela zwischen Opposition (als Konfirmierte und Junges-Gemein- de-Mitglied) und Duldung des DDR-Systems (mit FDJ-Mitgliedschaft, Besuch der Erweiterten Oberschule und Physik-Studium in Leipzig) prägten Merkels Werdegang vor der Wende. Wie bei vielen ihrer Landsleute scheiterte die erste, zu früh geschlossene Ehe mit Ulrich Merkel. Rück- besinnung auf den Glauben helfen Angela auch heute noch, gesetzte Grenzen auszuhalten.
Resings chronologisch-biografisch aufgebautes Merkel-Buch zeigt anhand vieler veröffentlichter Quellen bis zu Merkels Bibelarbeiten auf den Kirchentagen von Hannover und Frankfurt, wie der immer pluraleren und entkirchlichteren CDU der gelebte Glaube auch ohne die Protestantin Merkel an der Spitze als Richtschnur abhanden kam. Resing beweist dies an den in der Merkel-Zeit mehrheitlich eingenommenen Positionen der „C“-Partei zur Abtreibung, zur frühkindlichen, außerhäuslichen Betreuung von Kleinkindern und zur Stammzellforschung. Argumentierend abwägend sieht er die Kanzlerin da besonders dem katholischen Lager nicht mit heißem Herzen, sondern nur pragmatisch folgend, eher bedächtig abwartend als schnell zupackend. Sensibel behandelt der Autor Angela Merkels konfliktbesetzten Werdegang in der DDR, verständnisvoll das unaufdringliche Praktizieren ihres Christentums. Ein zeithistorisch und religionssoziologisch lesenswertes Buch mit Aktualität bis zu Merkels Papst-Kritik, ihr Angehen der Wirtschaftskrise und ihre Erwartungen an Präsident Obama im Jahre 2009.
Volker Resing: Angela Merkel. Die Protestantin. 160 Seiten. Benno-Verlag: Leipzig 2009. ISBN 978-3-7462-2648-4. 9,90 €
aus ESW-Infobrief 3/2009
Lebenskrisen sind Chancen!
Ein kleiner Mann mit einer großen Vision liegt buchstäblich am Boden. Aber er weiß: Hinfallen ist schlimm, Liegenbleiben ist tödlich. Der Prophet Micha wird zu einem Ermutiger und Auf-richter. Er lebt das biblische Prinzip, das uns zum Aufstehen und Weitergehen hilft. Der Autor, Norbert Lurz, Regierungsdirektor in einen Kultusministerium, hat in einer bittereren persönlichen Niederlage in der Politik selbst aus der Micha-Erfahrung gelernt. Nahe liegend, dass der Historiker und Sportfreund bei seinem Nachdenken auf Gestalten der Antike (Leonidas) und unserer Zeit (Sophie Scholl, Hillary Clinton, George Foreman u. v. a.) stieß, um den Leser zu ermutigen: Lebenskrisen sind keine Katastrophen, sondern neue Chancen. Ein persönliches und hilfreiches Buch. 
Norbert Lurz. Das Micha-Prinzip. Wie aus Niederlagen Siege werden können. Paperback. 142 Seiten. Brunnen 
aus ESW-Infobrief 1/2010
12 Top-Argumente für den Glauben
Die hält der bekannte Oxforder Pfarrer und Professor für Evangelisation am Regent College in Kanada, Dr. Michael Green, bereit, wenn er in einer völlig neu bearbeiteten Ausgabe seines Bestsellers zwölf Einwände gegen den christlichen Glauben brillant argumentierend aufgreift. Er nimmt berechtigte Anfragen ernst und weist andererseits, ohne den Fragenden „abzukanzeln“, auf logische Fakten und oft übersehenes Beweismaterial hin. Wer kennt nicht diese Fragen und Einwände: Ich bin nicht religiös.- Die Wissenschaft hat den Glauben besiegt. - Jesus war nur ein guter Mensch. - Alle Religio- nen führen zu Gott. - Hatte Jesus ein Kind mit Maria Magdalena? u. a. Wer mit Fragenden im Gespräch ist oder selbst Antworten sucht, wird gern immer wieder diese lesbare Argumentationshilfe in die Hand nehmen. Michael Green. Es komme mir kleiner mit Tatsachen. Paperback. 238 Seiten. 14,95 Euro. Hänssler 
aus ESW-Infobrief 1/2010
Weltfrömmigkeit und Himmelssehnsucht
Darf man ein solches Buch den Lesern einer seriösen evangelischen Seniorenzeitschrift vorstellen? Etliche Gründe sprechen dafür. Der aus der alemannischen Provinz mit seinem bäuerlichen Katholizismus stammende Autor rollt mit verblüffendem Wortwitz und Augenzwinkern sein so un- scheinbar verlaufendes Leben auf, dessen Trivialitäten und auch Deftig- keiten für ihn Erlebnishöhepunkte sind. Da wird nichts ausgespart, vertuscht oder schön geredet, sondern nur beobachtet und erzählt. Und das so meisterhaft, dass es dem Leser die Sprache verschlägt. Nichts Mensch- liches ist Stadler fremd, wenn er sein Leben als eine unsägliche Realsatire beschreibt. Angesichts der Feststellung, dass in Deutschland der Ikea- Katalog mehr gelesen wird als die Bibel und die Lächerlichkeit mehr gefürchtet wird als der Tod, ist der durch den Büchner-Preis Geadelte mehr als vorsichtig, uns eine christliche Auflösung der Probleme zu empfehlen. Ein gebranntes Kind scheut das Feuer. Aber er versteht, unser Gedächtnis der Frömmigkeit wachzurufen, in dem er seine Weltschmerz-Erfahrungen nicht nur als eine tragikomische Konfession bündelt, sondern bei allem die Himmelssehnsucht des Menschen durchscheinen lässt. Ob das Stadler wohl auch zu seinen beachtlichen Psalmenübersetzungen (Insel Verlag) animiert hat? 
Arnold Stadler. Einmal auf der Welt. Und dann so. Gebunden, Schutzumschlag, 382 Seiten. 19,90 Euro. S. Fischer
aus ESW-Infobrief 1/2010
Schützen und öffnen
Muss es mit der steigenden Zahl Pflegebedürftiger immer mehr Heimbe- wohner geben? Im jetzt bei Mabuse in Frankfurt erschienenen, von Harald Blonski herausgegebenen, 222 Seiten starken Aufsatz-Band „Die Vielfalt des Wohnens im Alter“ finden sich Alternativen mit Beiträgen zum Gemeinschaftlichen Wohnen im Alter und zum Betreuten Wohnen. Der Sammelband behandelt architektonische Fragen des Altenwohnens, die Gartengestaltung für Alte und die Wohnversorgung von kalendarisch alten Sondergruppen wie Dementen, Abhängigen, Wohnungslosen und von Sterbenden. Die Zielrichtung von Wohnen im Alter wird in einem kurzen Satz einer Autorin deutlich: Hier „kann ich meine kleiner gewordene Welt öffnen und auch schützen“. Ein Buch für die Altenhilfe am Nerv der Zeit. Der Band könnte aber mit der Schilderung von Verbesserungen im bereits vorhan- denen Wohnungsbestand noch vollständiger sein. 
Harald Blonski (Hg.): Die Vielfalt des Wohnens im Alter. Modelle, Erfahrungen und Entscheidungshilfen. Frankfurt: Mabuse 2009. 222 Seiten. ISBN 978-3-940529-05-3. 19,90 Euro
aus ESW-Infobrief 1/2010
Für die Jungen Alten
Der Bremer Soziologe Wolfgang Voges sieht in seiner bei Lambertus Freiburg heraus gekommenen „Soziologie des höheren Lebensalters“ die Altenpopulation zunehmend gespreizt einerseits in die Älteren, über 60jährigen mit neuen Optionen für nachberufliches Tätigsein und eigenständiger Lebensgestaltung sowie andererseits in die Hochbetagten, über 80jähri-gen mit häufiger verbreiteten, chronischen Krankheiten und Pflegebedarfen.
Der Autor behandelt das Alter im sozial-strukturellen Wandel, als sozialwissenschaftliche Kategorie und bringt ausgewählte Alterstheorien. Im zweiten, größeren Abschnitt werden die einzelnen Lebenslagen im Alter mit Einkommen, Gesundheit/ Krankheit, Tätigsein, Wohnen und Familie umrissen. Das Buch ist reichhaltig mit Abbildungen und Statistiken versehen. Allerdings kommen die sozialpolitischen und institutionellen Hilfen für die Hochbetagten-Phase bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit nicht genügend zur Sprache. Die Heimdiskussion wird praktisch nicht geführt. Voges bleibt zu sehr beim höheren Erwachsenenalter stehen. 
Wolfgang Voges: Soziologie des höheren Lebensalters. Ein Studienbuch zur Gerontologie. 330 Seiten. Augsburg: Maro-Verlag 2008. ISBN 978-3-87512-314-2. 22 Euro
aus ESW-Infobrief 1/2010

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