Veranstaltungskalender und aktuelle Infos

Kirchliche Altersgrenzen hinterfragt

Evangelisches Seniorenwerk unterstützt Prozesse abgelehnter Kandidaturen

Die Mitgliederversammlung des Evangelischen Seniorenwerks ESW hat den ESW-Vorstand bei ihrer Tagung am 15. Oktober in Kassel beauftragt, ein Treuhandkonto einzurichten für Spenden zur Finanzierung gerichtlicher Verfahren gegen die Ablehnung von Kandidaturen zu kirchlichen Wahlämtern aus Altersgründen. Das ESW spricht sich damit gegen starre Altersgrenzen und gegen jegliche Altersdiskriminierung aus und hält die Vermeidung von überlangen Besetzungen von Positionen im kirchlichen Bereich anderweitig für praktikabel; etwa durch die Begrenzung der Anzahl von Wiederwahlen. Konkret geht es um abgelehnte Wahl-Bewerbungen in der Gemeinde Vellmar der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Das ESW will sich außerdem künftig noch stärker der Unterstützung pflegender Angehöriger zuwenden und erhofft sich von der neuen Bundesregierung die auch finanzielle Förderung haushaltnaher Dienste, um das Verbleiben alter Menschen in ihrer eigenen Wohnwelt zu erleichtern.

Prälat Rudolf Schmidt (Hofgeismar) referierte bei der Kasseler ESW-Tagung unter dem Thema „Das hilfreiche Alter hilfreicher machen“ über neue Nachbarschaftshilfen im Landkreis Kassel.


Großen Fuß vermeiden
ESW-Pfalz beim Ehrenamtstag

Mit einem Informationsstand beteiligte sich das ESW-Pfalz am rheinland-pfälzischen Ehrenamtstag in Speyer. Heraus gestellt wurde dabei die Arbeit der ESW-Brotzeit-Gruppe.

Zu vielfältigen Gesprächen mit vielen der etwa 5.000 Besucher in der Speyerer Innenstadt wurden die Informationsblätter verteilt mit dem ökologischen Fußabdruck und mit der Antwort auf die Frage „Was kann ich für das faire Teilen tun?“ Hier sind genannt: Weniger Fleisch und Milchprodukte essen, weniger im Flugzeug reisen, Benzin sparen, sparsam heizen, fair einkaufen, gelassener leben und zukunftsfähig wirtschaften.

Für ihren derzeitigen Lebensstil verbrauchen Deutsche laut den von ESW-Pfalz verteilten Broschüren pro Person laufend 5,1 globale Hektar Naturfläche gha, die Weltbevölkerung durch-schnittlich aber nur 2,7 gha. Bei einem vernünftigeren Lebensstil wäre sogar eine Existenz mit einem „Fußabdruck“ von nur 1,8 gha Naturverbrauch pro Person möglich. Der große Fuß ist also zu meiden, wie die ESW-Aktiven Luise Friebel, Annemarie Theysohn, Berthold und Gisela Gscheidle sowie Dieter Cassel den Passanten am Ehrenamtsstand erläuterten.     

 

Erzählte Geschichten als Schlüssel
ESF-Tagung „Gemeinsam im Alter: Spirituelle Aspekte der Begleitung“ in Kassel

Mit gut zwei Dutzend Beteiligten fand eine ertragreiche Tagung des Evangelischen Seniorenforums ESF des Evangelischen Seniorenwerks in der Mönchebergkirche in Kassel zum Thema „Gemeinsam im Alter: Spirituelle Aspekte der Begleitung“ statt. Über persönliche, wertschätzende Begegnungen lässt sich das Christentum wirkungsvoll bezeugen, war das tragende Ergebnis der ganztägigen Zusammenkunft.

Präses Dr. Christoph Morgner ging für die Fragestellung seines Hauptreferats „Wie wecke ich bei älteren Menschen Interesse an geistlichen Inhalten, an Gottesdienst und…?“ von empirischen Fakten aus. Denn die christliche Gebundenheit älterer Menschen, von der viele innerkirchlich ausgehen, sei keine Selbstverständlich-keit mehr. So befürworten 32 Prozent Befragter den Satz „Es gibt ein Leben nach dem Tod“ und 54 Prozent die Feststellung „Gott ist eine Energie, die alles durchströmt“. Aber auf der anderen Seite gehen doch 61 Prozent davon aus, dass „mit dem Tod alles aus ist“.


Persönliche Kontakte helfen
Dennoch müsse man auch weiterhin daran arbeiten, dass „Menschen Christen werden und Christen bleiben“. Das vollziehe sich am besten über persönliche Erzählungen. Denn das Christentum habe schon immer unsere Welt mit Erzählungen bewohnt und verkündend verwandelt. Unsere persönlichen Erlebnisse sollten daher mit der großen christlichen Heilsge-schichte in Verbindung gebracht werden.

An Institutionen und Dogmen besteht wenig Interesse. Aber die Menschen aus unserer Umgebung werden ausgesprochen hellhörig, wenn wir als Christen ehrlich aus unserem Leben berichten: Auch von Krisen, Ängsten, Zweifeln, Krankheit und Leid. Das wird aufmerksam zur Kenntnis genommen. Plausibilität für das Christentum ergibt sich dem Referenten zufolge somit durch Begegnungen, die die Einsicht vermitteln, dass man mit Gott besser leben kann als ohne ihn, und die aufzeigen, dass uns durch Jesus Christus Gutes getan wird. Programme wie die Glaubens-aussagen als solche sind am besten über persönliche Kontakte zu übertragen. Sie wirken wie das Beispiel des Trampolins bei einem Fest, bei dem nach und nach alle mitmachen, die ursprünglich gar nicht daran gedacht hatten.

Soziale Netzwerk Gemeinde
Da gegenwärtiges Leben durch Einsamkeit und Flüchtigkeit gekennzeichnet ist, hält Dr. Morgner die christliche Gemeinde als soziales Netzwerk für unerlässlich. Denn alle sehnten sich nach dem Du, nach Gemeinschaft und nach sozialen Bindungen. In den Gemeinschaften vor Ort sollten darum Liebe, Wertschätzung und Freude obwalten. Das Glücklichsein löst bei den Gemeindegliedern Aktivitäten aus, denn glückliche Menschen wollen ihr Glück mehren und bringen sich darum aktiv ein. Gerade ältere Menschen wollten an solch glücklichen und aktiven Gesellungen teilhaben und sich in ihnen heimisch fühlen. Über diese Gruppierungen würden sie anderen erzählen und diese dazu einladen.

An möglichen Aktivitäten solch belebender Gemeinschaften nannte der Referent Hilfen zur Alltagsbewältigung, die Behandlung von Lebensfragen, mit Lebenszeugnissen durchsetzte Vorträge, Fahrten, Ausflüge, Gemeindeveranstaltungen. Es sei ein Gesamt-paket aus Motivierung, Atmosphäre, Stil, Gemeinschaftsaktivität, Programmaufstellung und Öffentlichkeitsarbeit zu schnüren. So kann Gottes Wort an die Herzen heran gebracht werden und gelangt Gottes Wort auch in die Herzen hinein.

Taktvolle Perspektivenwechsel
In vier Workshops wurde speziellen Fragen spiritueller Begleitung älterer Menschen nachgegangen. Pastorin Claudia Hinck vom Albertinen-Diakoniewerk Hambug behandelte die Integration Dementer in die Gemeindearbeit. Sie stellte fest, es brauche die Mitarbeit Interessierter, die bereit sind, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen und sich in die Eigenwelt der Dementen und ihrer Angehörigen hinein zu versetzen. Mit Dementen einen Gottes-dienst zu feiern sei einAbenteuer, bei dem, man auch das Los-lassen aus seinersubjektiven persönlichen Welt üben und erlernen könnbe. Als Gottesgeschöpfe seien und blieben Demente stets Ebenbilder Gottes.

Hohe Sensibilität war auch im von Liesel Pohl geleiteten Workshop zum Geleit in speziellen, defizitären Lebenslagenangesagt. Bei Armut, Sucht, Verwahrlosung und Suizidgefährdung sind rigide Verweise auf allgemein normierte Verhaltenwiesen kontraproduktiv. Es bedarf vielmehr anteilnehmender Zuwendun g und unter-stützender Besuche. Mit Taktgefühl sind veränderte Verhalten-weisen wie Therapien, Verringerung des Rauschmittelkonsums, Wahrnehmen von angebotenen Sozialkontakten und die Bean-tragung von Grundsicherung im Alter nahe zu bringen.

Hoffnung für die Jungen
Im Miteinander der Generationen sah Fritz Schroth in seinem Workshop eine Möglichkeit für Ältere, Verantwortung für die Gesamtgesellschaft zu übernehmen. Die alten, in einem „zweiten Aufbruch“ stehenden Menschen sollten die Potentiale der Jüngeren erkennen und diesen dazu verhelfen, ihre Fähigkeiten zu fördern und zu entwickeln. So sollten die Alten den Jungen einen Grund zur Hoffnung geben. Die Möglichkeiten spiritueller Beglei-tung mit Besuchsdiensten erarbeitete der von Schulamtsdirektor Erich Kimm geleitete Workshop.

Der allgemeine Dank für die freundliche und hilfreiche Aufnahme der Tagungs-Teilnehmenden galt der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Kassel-Möncheberg. Für eine künftige ESF-Tagung im Jahre 2014 schälten sich nach einer schriftlichen Befragung heraus die beiden Komplexe Tod, Sterben und Trauer einerseits sowie andererseits der Stellenwert der christlichen Botschaft innerhalb der alten-fördernden und alten-aktivierenden Aktivitäten.

 

zurück